Funkstille - die Premiere

Es ist heiß. Es ist Sonntag. Man geht ins Schwimmbad. Nicht so die „Coolen Socken“ – die AG Theater der Mittelschule Münnerstadt. Sie hatten am Sonntag, dem 21.06. ihre Premiere mit dem Stück „Funkstille“ vor 60 Zuschauern, die auch trotz der Hitze in den recht kühlen Saal im Bildhäuser Hof kamen. Und sie waren so cool, dass sie trotz der Wärme ihr Bestes gaben. Alleine daran sieht man schon, wie tief die Spielfreude sitzt.

Freude am Theater

Das merkte man auch am Auftritt. Man muss ehrlich sein: nicht alles lief rund, nicht jede Szene war perfekt ausgespielt. Aber eben das, worum es mir als Spielleiter geht, kam rüber: die Freude am Theater. Andere mit den eigenen Ideen zu unterhalten, zu amüsieren, zum nachdenken zu bringen. Eine Zuschauerin sagte schon zu Beginn: Theater – das ist ein so schönes Hobby. Sie hat Recht!

Jetzt zum Stück: Funkstille. Das war von Anfang an zu spüren. Schon vor Beginn saßen die Kinder an ihren Handys. Jeder für sich. Keiner beachtet den andern. Untereinander absolute Funkstille.

Die Geschichte von Luna und Stella

Die Mutter kommt herein und ist empört, dass wieder mal nur gezockt wird. Ein Spruch, den Kinder kennen. Es folgen weitere „nervige Sprüche“ von Eltern. (Die Reaktion des Publikums lässt erahnen, dass einige Stereotypen wiedererkannt werden.) Und dann passiert es: Die Mutter nimmt endgültig den Kindern das Handy weg. Schon wieder: Funkstille.

Die beiden Hauptcharaktere Stella und Luna versuchen sich in dieser Situation erst auf unterschiedliche Art die Zeit zu vertreiben. Dabei werden auch Ideen aus dem Publikum erfragt. Doch alles bringt nicht viel. Luna rastet aus und bricht zusammen. Da kommt der Moment, in dem sie mit Stella beschließt: Wir hauen ab von zu Hause! Und sie hauen ab.

Das geht nicht ganz reibungslos über die Bühne. Ein knarzender Holzflur, das klassische Quietschetier, auf das man tritt, ein klingelndes Telefon, ein versehentlicher Pups… alles könnte die beiden Schwestern auffliegen lassen. Doch am Ende schaffen sie es!

Sie hauen ab. Und lassen dabei die anderen Schauspieler auf der Bühne völlig im Stich.

Ein Bruch. Die Schauspieler stehen auf der Bühne und fragen sich: Wie jetzt? Die lassen uns jetzt einfach auf der Bühne alleine? Aber der Techniker Nils weiß Bescheid: Wir könnten ja schon mal mit dem Waldreich weiter machen. Dafür braucht es wieder das Publikum. Was brauchen wir alles? Wind! Wildschweine! Vögel! Gemeinsam entsteht ein Wald. Und da kommen ja auch Stella und Luna wieder –  überraschend durch den Hintereingang durch’s Publikum hindurch. Nach einer viel zu langen Pause – das Publikum will schließlich mehr geboten bekommen, als zwei Mädchen beim Essen zuzusehen – geht es weiter. Erst durch einen reißenden Fluss, dann (in einem kurzen Schattenspiel) den Berg hinauf und schließlich durch den Nebel. Doch was erscheint da? Stella und Luna erstarren: Das Haus sieht gruselig aus. Ein Schattenspiel lässt uns doch die Fensterscheibe Blicken: Tatsächlich leben dahinter Hexen, die mit Haaren und anderen merkwürdigen Zutaten zu kochen scheinen. Als sie hervortreten zeigt sich allerdings: böse sind die Hexen nicht. Im Gegenteil, sie haben eine Überraschung für sie. Im Tresor.

Auch bei der Suche nach dem richtigen Code ist wieder das Publikum gefragt und gemeinsam klappt es, den Tresor zu öffnen. Zuerst ist die Enttäuschung groß: nur die Handys? (Die scheinen bei diesem Erlebnis schon an Bedeutung verloren zu haben.) Aber dann die Erkenntnis: Klar, damit können wir Mama anrufen!

Jetzt wieder: Funkstille. Denn Empfang hat man nur auf dem Gipfel. Die Reise dorthin wird wieder als Figurenspiel gezeigt. Oben angekommen kappt der Anruf und Mama kommt schon bald vorbei. Sie freut sich natürlich, die Kinder wieder zu sehen. Aber da ist noch etwas: begeistert von der Aussicht auf den Gipfel zückt sie sofort ihr Handy und möchte ein Selfie schießen. Die Situation wendet sich: „Ach Mama, du immer mit deinem Handy…“ Die Reaktion im Publikum zeigte: Hier hat sich der ein oder andere wieder erkannt. Und letztendlich ist die Belehrung von Stella genau an dieser Stelle völlig einsichtig: Siehst du, Mama, manchmal ist das Handy eben doch ganz nützlich.

Der Bogen zum Beginn des Stückes wird gezogen: während anfangs die nervigen Sprüche genannt wurden, findet jetzt jeder einen sinnvollen Einsatz des Handys. Am Ende: zum Musik abspielen… ein Übergang zum Abschluss-Song „Party mit den coolen Socken“.

Resümee

Das Stück spielt immer wieder mit Publikumseinbindung, sorgt aber auch mit Videoprojektionen für die ein oder andere Überraschung. So wurde es zu keinem Moment langweilig und das Publikum folgte gespannt dem Geschehen auf der Bühne.

Anfangs wurde schon erwähnt: nicht alles lief rund. Jedoch ging auch nichts so richtig schief und die kleinen Fehler wurden den jungen Darstellern vom Publikum verziehen. Das ist kein professionelles Theater, das ist spritzig, frisch und vielleicht der Nachwuchs für große Bühnen. In jedem Fall ist es Persönlichkeitsentwicklung und eine große Freude, den Applaus am Schluss zu ernten. Der war nicht zu knapp und es wurde sogar nach einer nächsten Produktion gefragt. Nun ja: Was das wird steht in den Sternen, aber eines ist sicher: Wir werden wieder kommen. Im nächsten Schuljahr.

Mit diesem Stück geht es jetzt jedenfalls erst einmal nach Kempten zu den zentralen Bayerischen Schultheatertagen. Dort zeigen sich Theatergruppen aus ganz Bayern gegenseitig ihre Stücke.

Danach wird es noch Aufführungen an der Montessori-Schule in Münnerstadt geben.